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    Bedeutende Frauen Spaniens – Teil 2: Maruja Mallo

    12.10.2017 - Elisabeth Pranter - MfD & BfD 

    Maruja Mallo war eine der vergessenen Frauen der Generación del 27, eine der Las Sinsombrero: Neben Dalí, Buñuel und García Lorca war sie die vierte im Bunde der Surrealisten. Als ausdrucksstarke Frau schuf die Malerin nicht nur Werke, die heute zu dem wichtigsten Kulturerbe Spaniens des 20. Jahrhunderts zählen, sondern beeinflusste auch ihre männlichen Kollegen. Sie gehörte zu den Anführern und wichtigsten Vertretern der Avantgarde in Spanien, gleichzeitig war sie weit mehr als eine Künstlerin; sie war emanzipiert, wagemutig und rebellierte gegen das patriarchalische System. Sie trat für ihre Rechte als Frau ein und war mit ihrer resoluten Art eine Wegbereiterin der Gleichberechtigung, die mit ihrem modernen Denken und ihrem ausdrucksstarken Auftreten bis zuletzt beeindruckte.

     

    Illustrer Freundeskreis in Madrid

    Maruja Mallo wurde 1902 als Ana María Gómez González im galizischen Ort Vivero geboren. Zu Beginn malte sie klassisch, romantisch, bevor sie ihren unverkennbaren, surrealistischen Stil entwickelte. Ihre künstlerische Bildung erhielt sie in der Real Academia de Bellas Artes in Madrid, an der sie mit 20 Jahren zu studieren begann. Hier freundete sie sich mit Salvador Dalí an, wie er war auch Mallo eine große Bewunderin von Pablo Picasso. Über Dalí wurde sie mit Federico García Lorca bekannt, der sie wiederum Rafael Alberti vorstellte. Sie verliebte sich in den später erfolgreichen Dichter, der damals noch ein einfacher Student war. Die beiden begannen eine Liebesbeziehung, die für ihr künstlerisches Schaffen förderlich, aber durch viele Hochs und Tiefs gekennzeichnet war – und schließlich endgültig endete, als Alberti María Teresa Léon kennenlernte.

     

    Das Exil und die Geometrie der Natur

    Während Maruja Mallos Gemälde der 20er Jahre bunt und fröhlich wirken, spiegeln ihre Werke ab den 30ern die düstere Stimmung wider, die das Land ergriff. Schwarz und Grau dominieren ihre Bilder, der Tod und die Vergänglichkeit lassen sich als zentrale Motive festmachen. Die Bilder beeindrucken international, in Paris etwa erfahren Mallos Bilder große Anerkennung. In den 30ern arbeitete die Künstlerin dann als Zeichenlehrerin in ihrer Heimatprovinz Lugo in Galizien, bevor sie zum Ausbruch des Bürgerkriegs im Juli 1936 nach Argentinien emigrierte. Vom Exil aus engagierte sie sich gegen das faschistische System, doch nach dem Ende des spanischen Bürgerkrieges starb für sie die Hoffnung, in ihre Heimat zurückzukehren.

     

    Im Exil in Buenos Aires beschäftigte sich Maruja Mallo mit geometrischen Formen, die sie ihren Kompositionen zu Grunde legte. Die Gesichter, die sie malte, erscheinen ausdruckslos, die Malerin legte mehr Wert auf die Formen und Proportionen. Als Motive dienten ihr vor allem Meeresfrüchte, Schnecken und Muscheln, die Künstlerin war fasziniert von der pazifischen Landschaft, der Flora und Fauna – und mehr noch der mathematischen Ordnung, die hinter den Schöpfungen der Natur steht.

     

    Rückkehr in die Heimat – unerkannt und wiederentdeckt

    Als Maruja Mallo in den 60er Jahren nach Spanien zurückkehrte, war sie komplett in Vergessenheit geraten. Niemand kannte sie mehr, auch Franco erinnerte sich nicht an sie. Sie erzählte von ihren Erfolgen, schließlich hatte sie zahlreiche Ausstellungen ausgerichtet und wichtige Preise gewonnen, unter anderem in New York. Die spanische Künstlerszene der 70er und 80er entdeckte die Malerin dann für sich wieder. Die Jungen waren beeindruckt von Maruja Mallos einzigartigen Ausstrahlung und ihrer Persönlichkeit; ihrer modernen Art zu denken.

     

    Außergewöhnlich ausdrucksstark

    Maruja Mallo selbst war ein Gesamtkunstwerk, sie war eine extravagante Erscheinung, die stets die Aufmerksamkeit auf sich zog. Bis ins hohe Alter schminkte sie sich kräftig und färbte sich die Haare rot, außerdem war sie berüchtigt für ihre ausführlichen Telefongespräche, die oft stundenlang dauerten; Gerüchten zufolge soll sie auch von Zeit zu Zeit einen Ledermantel getragen haben – aber nichts darunter. Sie log über ihr Geburtsdatum und gab schon in ihrer Studienzeit zum Teil falsche Geburtsdaten und -orte an.

     

    Gleichzeitig war Maruja Mallo auf ihre Privatsphäre bedacht und ließ beispielsweise Spekulationen über ihr Liebesleben unkommentiert oder entgegnete ihnen ironisch. Die Malerin blieb kinderlos und war nach eigenen Aussagen ein einsamer Mensch. Diese Einsamkeit aber bezeichnete sie als ihr größtes Potenzial, ihre schöpferische Quelle. 1995 starb Maruja Mallo in Madrid, und mit ihr verlor Spanien eine seiner schillerndsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Doch vergessen wird man Maruja Mallo nicht noch einmal.

     

    Bild: RTVE

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