Kultur und Freizeit

HINTERGRUND: Humor auf Katalanisch

Tricicle-Mitgründer Paco Mir im Interview.

24.02.11

Die Katalanen haben viel mit den Deutschen gemein. Sie gelten als strebsam, ernst und wenig zum Scherzen aufgelegt. Aber dass das nur Stereotypen sind und es dennoch viel Humor in Katalonien gibt, halt sehr trocken, beweist das Trio Tricicle (Dreirad) schon seit mehr als 30 Jahren. Bis diesen Sonntag sind sie noch in Madrid zu sehen.

Ihr genau durchorganisierter, aber immer wieder erfrischender Mimen-Humor hat auch über die Grenzen Spaniens hinaus Erfolg, sogar in Indien und Deutschland lachte man schon über die Katalanen.

Madrid für Deutsche hat mit Paco Mir, Mitgründer von Tricicle, gesprochen.

Die Katalanen sind bekannt dafür, sehr ernst zu sein. Glauben Sie, dass Ihr Humor im Vergleich zum Rest Spaniens einfach sarkastischer und ironischer ist?

Es stimmt, wir sind bekannt dafür, sehr ernst zu sein. Aber betrachtet man die Komiker-Szene in Spanien, stellt sich heraus, dass viele Humoristen katalanischer Herkunft sind und dass viele witzige Programme (Anm. der Redaktion: wie zum Beispiel BFN, Buenafuente) in Barcelona gezeigt werden. Und es ist auch wahr, dass wir Katalanen die Ironie mögen. Unser Humor ähnelt dem der Engländer.

Kann es sein, dass Menschen - unabhängig von Umfeld oder Kultur in der sie leben - generell über die gleichen Dinge lachen?

Um über etwas lachen zu können, muss man auf jeden Fall Anspielungen verstehen können, seien sie kulturell oder situationsbedingt.

Sie sind gerade dabei, ein deutsches Musical, "Forever Young", auf den spanischen Markt zu bringen. Mitte März startet es in Madrid. Glauben Sie, dass die Deutschen Humor haben, trotz dem ernsten Bild, das im Ausland häufig von ihnen gezeichnet wird?

Ich kenne nicht viele Deutsche, deshalb ist das schwer zu beurteilen. Aber ich weiß, dass Deutschland großartige Humoristen hat. Karl Valentin zum Beispiel ist ein gutes Beispiel, dass es sehr wohl Humor in Deutschland gibt. in dem von dem Thalia Theater in Hamburg kreiierten Musical, das wir jetzt in Madrid starten, steckt sehr viel Humor, schwarzer Humor.

Was heißt es für Sie, Humor zu haben?

Für mich heißt es, zu verstehen, dass man alles, wirklich alles von mindestens zwei Seiten sehen kann. Es ist eine Sache Humorist zu sein, eine andere ist es, Sinn für Humor zu haben. Die beiden Seiten sollten komplementär sein, müssen es aber nicht.

Haben Frauen Ihrer Meinung nach einen anderen Humor als Männer?

Frauen sagen, dass ihnen an einem Mann am besten gefällt, wenn er sie zum Lachen bringt. Vielleicht gibt es deshalb mehr männliche Humoristen....

Haben die Menschen in Zeiten der Krise überhaupt Geld, um Humor zu genießen? Vergeht einem nicht das Lachen?

Gerade in Krisenzeiten wollen die Menschen ihre Probleme vergessen, wenn auch nur für kurze Zeit. Das Geld wird so efektiv wie möglich ausgegeben. So werden zum Beispiel Veranstaltungen besucht, bei denen man sich sicher sein kann, was man bekommt.

Eine etwas polemische Frage: Muss Humor in Katalonien auf katalanisch sein?

Nicht unbedingt. Es gibt viele Programme, gerade im Radio, in denen die beiden Sprachen gemischt werden. Auch im Theater muss man zweisprachig sein, um das potenzielle Publikum zu vergrößern.

Was denken Sie über all die Diskussionen rund um die Sprache in Spanien?

Das Ganze wird unterschiedlich bewertet. Je nachdem ob innerhalb oder außerhalb Kataloniens. Natürlich werden im Namen einer eigentlich wichtigen Angelegenheit oft unnötige Sachen gemacht, aber es ist ein Thema, das uns berührt.

Das Beste, um den ganzen sprachlichen Schwierigkeiten zu entgehen, ist Humor ohne Worte. Haben Sie sich deshalb entschieden, Pantomime zu machen?

Als wir angefangen haben, war das gestische Theater gerade in Mode. Viele Künstler waren in diesem Bereich tätig. Ohne wirklich darüber nachzudenken, haben auch wir in diesem Bereich angefangen. Aber wir haben keine sprachlichen Probleme, wenn wir etwas übersetzen müssen, übersetzen wir es. Das einzige, was uns interessiert, ist zu kommunizieren.


Das Gespräch führte Stefanie Claudia Müller, übersetzt von Doris Oberleiter

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