Gesundheit

NUTZWERT: Grundsätzliche Unterschiede im spanischen Gesundheitssystem

01.04.07

Kosten, Qualität, Organisation:

Alle in Spanien lebenden Menschen haben Zugang zur medizinischen Grundversorgung, das gilt auch für nicht gemeldete Immigranten. 98 Prozent der Bevölkerung sind für jede Art von Krankheitsfällen komplett abgesichert. Es besteht keine Möglichkeit, aus dem öffentlichen System auszusteigen, das gilt auch für Selbstständige. Trotzdem hat ein Großteil der Bevölkerung eine private Zusatzversicherung. Zahnpflege umfasst im öffentlichen System nur die Kontrolle, keine Eingriffe. Gesundheitskosten im öffentlichen System liegen pro Kopf im Jahr bei 291 Euro, 79 Prozent davon zahlt der Staat, der Rest wird privat getragen.

Der Anteil der öffentlichen Gesundheitsausgaben am BIP beträgt mehr als sechs Prozent, zählt man die Privatausgaben hinzu sind es acht Prozent. Medikamentenkosten machen 30 Prozent der Gesamtkosten aus. Die Qualität bei der Grundversorgung ist eher schlecht. Jedoch genießen die öffentlichen Krankenhäuser einen sehr guten Ruf in den verschiedenen Spezialbereichen.

Finanzierung:

Das Gesundheitswesen wird seit den 90er Jahren über die eingenommen indirekten Steuern finanziert. Die Selbstbeteiligung besteht nur bei Medikamenten, der Patient muss in der Regel 60 Prozent selber bezahlen, ausgenommen Rentner und Kinder sowie schwere Krankheitsfälle. 85 Prozent der Gesamtkosten im Pharmabereich übernimmt der Staat, 15 Prozent der Bürger.

Anbieterseite:

Es gibt in Spanien keine Kassen. Im öffentlichen System gibt es deswegen keinen Wettbewerb. Jedoch gibt es die Tendenz, nicht medizinische Dienstleistungen in Krankenhäusern zu privatisieren, um das Management effizienter zu machen und Kosten zu senken. Zudem werden medizinische Dienstleistungen immer öfter wegen Überlastung an private Krankenhäuser ausgelagert. Der private Gesundheitssektor ist sehr umfassend, es gibt dort einen großen Wettbewerb mit öffentlichen Krankenhäusern.

Kurzkommentar:

Positiv ist, dass grundsätzlich alle, egal ob sie einen Job haben oder nicht, egal ob sie in Spanien gemeldet sind, ein Recht auf die medizinische Grundversorgung haben. Das ist in der spanischen Verfassung so festgelegt. Problematisch ist jedoch, dass es viel zu wenig öffentliche Krankenhäuser gibt. Das System ist sehr auf die großen Städte konzentriert. Das führt bei Standardoperationen zu langen Wartelisten, überfüllten Stationen, Massenabfertigung und sehr ineffizienten Verwaltungsprozessen. Jedoch genießen die Spezialisten in den öffentlichen Krankenhäusern immer noch den besseren Ruf. Wer ernsthaft krank ist, geht normalerweise nicht in ein Privatkrankenhaus. Unsicher ist, wie es sich auswirken wird, dass die 17 autonomen Regionen inzwischen die Kompetenz für das Gesundheitswesen haben und gerade dabei, sind verschiedene Modelle zu entwickeln, welche die Mobilität von Patienten zukünftig erschweren und das System insgesamt teurer machen könnte. Es könnte jedoch auch zu mehr Effizienz führen, weil der Wettbewerb größer ist.

Stefanie Müller
smueller@madridfuerdeutsche.com

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